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Maserati-LogoMaserati Mexico (I) (1967)

Maserati Mexico Frua-Prototyp, Maserati Mexico Speciale, Maserati Tipo 112

Comm. 344

Maserati war Mitte der 1960er Jahre mit seinen Serienfahrzeugen auf dem Höhepunkt seines Erfolges. Die Karosserien stammten von Frua (Mistral, Quattroporte) und Vignale (Sebring). Das seit 1959 in Kleinserie überwiegend mit Allemano-Karosserien gebaute Spitzenmodell Maserati 5000 GT Coupé war jedoch in die Jahre gekommen.

Mitte 1965 gab der Mexikaner Fernando Díaz Barroso (Goodfellow & Orsi 2000: S. 72) seinen verunfallten Maserati 5000 GT Allemano Coupé (Chassisnummer: AM 103.022, Farbe: Grigio; 1.11.1961 Erstbesitzer: Adolfo López Mateos, Präsident von Mexiko 1958–1964) zur „Reparatur“ ins Maserati-Werk zurück (Lange 1993). Verwertbar von dem Totalschaden waren nur noch der Motor und das Getriebe, der Rest inklusive des Chassis waren Schrott (Lange 1993). Den Auftrag zur Anfertigung der neuen Karosserie erhielt die Carrozzeria Vignale (Lange 1993, Zanellato 2015: S. 257). Mit Maserati wurde vereinbart, dem fertigen Fahrzeug (AM 101.11.044) die Chassisnummer seines 5000 GT zu geben, um die hohen mexikanischen Import-Zölle zu umgehen (Lange 1993, Khawam 2001, Lewandowski 2002, Adolfo Orsi: Leserbrief in Classic and Sportscar, Juni 2003; laut Goodfellow & Orsi 2000: S. 72, umnummeriert von vorher AM 101.11.004). Wie in vielen anderen Fällen auch, stellte Vignale das fertige Fahrzeug mit dem 4,9-Liter-V8-Motor vor der Auslieferung auf seinem Stand beim 47. Salone Internazionale dell´Automobile in Turin (3.–14.11.1965) unter der Bezeichnung „5 litri Coupé 2+2“ aus. Das von Virginio Vairo entworfene 2+2-sitzige Coupé im Stile des Maserati Sebring, wurde so enthusiastisch aufgenommen (Zanellato 2015: S. 257) und von der Presse bereits als Prototyp einer neuen Baureihe angesehen (Cornil 1965), dass sich Maserati entschied einen 5000-GT-Nachfolger mit dem zivilisierteren 4,7-Liter-Motor des Quattroporte unter der internen Bezeichnung Tipo 112 ins Programm zu nehmen (Lange 1993, Zanellato 2015: S. 257).

Doch auch Pietro Frua war an einem weiteren Maserati-Auftrag interessiert und erhielt zwei weitere aus der Serie der geraden Chassisnummern abweichende Chassis (AM 112.001 und AM 112/1.003) zur Karossierung. Frua hatte bereits 1965 ein 2+2-sitziges Coupé auf Basis de Maserati Sebring gebaut (AM 101/10.004; vgl. die Ähnlichkeit zu der von Goodfellow & Orsi 2000 genannten ersten Chassisnummer des Vignale-Prototyps: AM 101.11.004). Nach dem 36. Genfer Salon (10.–20.3.1966), auf dem der Vignale-Prototyp erneut ausgestellt wurde, erstellte Frua am 30.4.1966 eine 1:1-Konstruktionszeichnung, der er im Mai 1966 die Projektnummer (ital. Commessa) 344 hinzufügte. Das erste von ihm fertiggestellte Fahrzeug (Chassis AM 112.001) lieferte er an Maserati, doch es konnte dort offensichtlich nicht überzeugen. Es wurde schließlich am 5.5.1967 von Maserati an den Kunden Nello della Casa in Modena mit der Bezeichnung „Vettura prototipo“ ausgeliefert.

Maserati entschied sich schließlich, eine geringfügig geänderte Version (u.a. C-Säule und Heckscheibe) des von Vignale vorgeschlagenen Prototyps als Tipo 112 in Serie zu produzieren. Das Quattroporte-Chassis wurde hierzu um 110 mm verkürzt und die selbstragende Karosserie erhielt einen Hilfsrahmen im vorderen Bereich. Das Serienmodell wurde schließlich Maserati Mexico genannt und am 6.8.1966 auf dem 20. Concorso Internazionale di Eleganza per Auto in Rimini (I) vorgestellt (La Stampa, 100. Jg. Nr. 177, 7.8.1966: S. 10) und nicht erst zwei Monate später auf dem 53. Pariser Salon, wie von anderen Autoren (Orsini & Zagari 1982, Tabucchi 2003) berichtet. Die von manchen Autoren (Crump & de la Rive Box 1984, Mandarano 1990, Lewandowski 2008) kolportiere Geschichte, das Modell trüge seinen Namen in Erinnerung an John Surtees’ Sieg in einem von einem Maserati V12-Motor angetriebenen Cooper T81 (F1-6-66) beim Grand Prix von Mexiko, stimmt ebenfalls nicht, da dieser erst wesentlich später am 23.10.1966 auf dem Autodromo Hermanos Rodriguez von Mexiko City stattfand.

Von September 1966 bis 1972 wurden 485 Maserati Mexico von Vignale in Grugliasco bei Turin produziert (Tabucchi 2003). Die in der Literatur (Crump & de la Rive Box 1979, 1984, 1998, Lewandowski 1982, Khawam 2001) fälschlich angegebene Stückzahl von 250 Exemplaren betrifft nur die ersten drei Produktionsjahre. Das Maserati-Mexico-Register von Charles-Henry Couvrat nennt abweichend nur 482 Exemplare (Stand 7.1.2017).

Historie

Chassisnummer AM 112.001
Motornummer AM 112.001

(3.–14.11.1965 Präsentation auf dem Frua-Stand beim 47. Salone Internazionale dell´Automobile in Turin (I) (Cozza, persönliche Mitteilung 5.9.2003 und 26.7.2004) – dies kann auf Grund der Datierung der nachfolgenden Zeichnung nicht stimmen. Auch Cornil (1965) erwähnt in seinem Salonbericht den Frua-Maserati nicht.)

30.4.1966 1:1-Konstruktionszeichnung Dis. 765 „Disegno costruttivo nuova berlina Maserati 2+2“
5/1966 Projektnummer Comm. 344

1966? Fertigstellung der Karosserie in Pietro Fruas Werkstatt (laut Beschriftung der nachfolgenden Fotos)

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(6.–16.10.1966 Präsentation auf dem auf dem 53. Pariser Salon; diese Vermutung von Mandarano (1990) trifft nicht zu. In Paris wurde bereits das von Vignale karossierte Serienmodell ausgestellt.)

8.5.1967 Fertigstellung (lt. Maserati-Produktionsliste; Mandarano 1980a: 7/1967, Mandarano 1990: 7/1965)
Farbe: Amarantrot (ital. Amaranto), innen: weißes Leder (ital. pelle neutra)

5.5.1967 1. Besitzer Nello Della Casa, Modena (I) (Mandarano 1980a fälschlich: 1. Besitzer G. Díaz Ordaz, Präsident von Mexiko 1964–1970)
Bezeichnung im Lieferschein (ital. Avviso Spedizione) als „Maserati Gran Turismo 4200“ mit dem Hinweis „Vettura prototipo“

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1967 Besitzer Tom Meade, Modena (I) (fälschlich Mandarano 1990: Tom Meed, RM-Katalog 1980: Tom Mead)

1967 Besitzer Kenny Wagner, Amarillo (Texas, USA)

5/1978 Besitzer N.N. (Autohändler), Amarillo (Texas, USA)

1978 Besitzer Larry Mease, Jacksonhole (Wyoming, USA) (Mandarano 1990, RM-Katalog 1980: Larry Maese)

1980 Besitzer Francis G. Mandarano (MCI/MIE Corp.), Mercer Island (Washington, USA)
Restaurierung; Lackierung geändert: Weiß, innen: weißes Leder

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20.12.1983 angeboten in Viale Ciro Menotti (7. Jahrgang, Nr. 2, Heft 38, 2. Quartal 1983) für 35.000 $
5/1985 angeboten in Viale Ciro Menotti (9. Jahrgang, Nr. 1, Heft 43, 1. Quartal 1985) für 35.000 $
Komplettrestaurierung, Lackierung geändert: Amarantrot; Innenausstattung erneuert: hellbraunes Leder
17.8.1990 2. Platz im Maserati Super Concours beim 3. Concorso Italiano im Quail Lodge, Carmel (Kalifornien, USA)
19.8.1990 Teilnahme am 40. Pebble Beach Concours d´Elegance (bei Carmel, Kalifornien, USA) (Mandarano 1990)
9/1990 zum Verkauf angeboten mit Artikel in Viale Ciro Menotti für 300,000 $

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1995 Besitzer W. Kent Feddman, Alexandria (Virginia, USA)

1995 Besitzer Manfred Lang, Solingen
1999 Mechanik überholt

18.8.2000 versteigert von RM Auctions (Lot 428) bei den 27. Annual Monterey Historic Automobile Races in Monterey (Kalifornien, USA) zum Preis von 102.300 $ (Schätzwert 100.000–130.000 $) (Orsi & Gazzi 2001)

18.8.2000 Besitzer Alfredo Brener, Houston (Texas, USA)
3.–5.5.2002 Teilnahme am 7th annual “Wooden Keels & Classic Wheels” Concours d’Elegance im Lakewood Yacht Club, Seabrook (Texas, USA)

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15.8.2003 Ausstellung beim 17. Concorso Italiano im Black Horse Golf Club, Seaside (Kalifornien, USA)

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16.8.2003 (km 83.389) Versteigerung bei der RM „Monterey Sports and Classic Cars Auction“ im Doubletree Hotel, Monterey (Kalifornien, USA), als Lot 449 [Anmerkung: die Bilder zu Lot 449 wurden von RM mit Lot 446 vertauscht] (Schätzwert 80.000–110.000 $) zum Zuschlagspreis von 70.000 $ (+ 10 % Aufpreis = 77.000 $)
Der im Ausstellungskatalog angegebene Hubraum von 4.719 cm³ stimmt nicht, da dann die Motornummer mit AM 112/1 beginnen müsste.

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16.8.2003 Besitzer N.N. 1, Houston (Texas, USA)
22.1.2010 versteigert von Gooding & Company auf der Scottsdale Auction in Scottsdale (Arizona, USA) als Lot 10 zum Zuschlagspreis von 170.000 US-$ (= 120.700 €; + 10% Aufpreis = 187.000 US-$ = 132.770 €; Schätzwert 75.000–100.000 US-$; Versteigerung ohne Limit) an den Saalbieter mit der Bieternummer 283

22.1.2010 Besitzer N.N. 2
2016 Fotos Robin Adams, Los Angeles (Kalifornien, USA) für RM Auctions Sotheby´s

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20.1.2017 (km 83.566) angeboten als Lot 262 von RM Auctions Sotheby´s beim Arizona Concours d´Elegance in Phoenix (Arizona, USA); verkauft für 346.500 US-$ (315.000 US-$ Höchstegebot + 10% Aufschlag; Schätzwert 450.000–550.000 US-$)

20.1.2017 Besitzer N.N. 3

Technische Daten

Basisfahrzeug

Maserati Mexico

Motor

Tipo AM 107
vornliegender wassergekühlter 8-Zylinder-V-Motor, Block und Kopf aus Aluminium, nasse Zylinderbüchsen, 5-fach gelagerte Kurbelwelle, V-förmig hängende Ventile, 2 x 2 kettengetriebene obenliegende Nockenwellen (4 ohc), vier Doppelvergaser (Weber 38 DCNL 5), Druckumlaufschmierung, Einfachzündung

Bohrung x Hub

88 x 85 mm, Kompressionsverhältnis 8,5:1

Hubraum

4.136 cm³

Leistung

260 DIN-PS (290 SAE-PS) bei 5.200 U/min

max. Drehmoment

37 mkg (DIN) bei 4.000 U/min

Leistungsgewicht

(Serienfahrzeug: 5,8 kg/PS)

Kraftübertragung

Einscheibentrockenkupplung, vollsynchronisiertes 5-Gang-Schaltgetriebe (ZF), Hinterradantrieb

Vorderachse

Einzelradaufhängung mit doppelten Dreiecksquerlenkern, Schraubenfedern und hydraulischen Teleskopstoßdämpfern, Querstabilisator; Kugelumlauflenkung

Hinterachse

Starrachse, halbelliptische Blattfedern, Querstabilisator

Bremsen

hydraulisches Zweikreisbremssystem mit Servounterstützung, Scheibenbremsen (Girling) vorn und hinten

Karosserie

teilselbsttragende Karosserie mit  Hilfsrohrrahmen vorn

Länge x Breite x Höhe

(Serienfahrzeug: 4.760 x 1.730 x 1.350 mm); Radstand 2.640 mm

Leergewicht

(Serienfahrzeug: 1.500 kg)

Höchstgeschwindigkeit

(Serienfahrzeug: 250 km/h)

Verbrauch

(Serienfahrzeug: 19 Liter Super pro 100 km)

Bauzeit

1967

Stückzahl

1

Veröffentlichungen

Dierkes (2017)

Verwandte Fahrzeuge

Maserati Mexico (I) (1967)

Maserati Mexico (II) (1968)

Maserati Mexico (III) (1969)